Wieso nicht im Sommer? Semmelknödel sind vielfältiger als gedacht

Wieso nicht im Sommer? Semmelknödel sind vielfältiger als gedacht

Grillen mit Knoedelkult

Ich arbeite gerade an einer Sommerknödelbox. Sie soll als Zusatz zu den Knödeln leichte Rezepte rund um unsere Semmelknödel und eine sommerliche Überraschung enthalten. Ziel ist es, den Knödel mehr ins Sommerbewusstsein des durchschnittlichen Knödelliebhabers zu rücken. Da ich im Sommer auch Nudeln und Kartoffeln als Beilagen oder Salate esse, habe ich mich gefragt, wieso das beim Semmelknödel für Viele so schwer vorstellbar ist und wieso es eine Sommerbox zur Überzeugung braucht.

Auf meiner Suche ist mir aufgefallen, dass wir ganz viele Lebensmittel nur in einem bestimmten Kontext verwenden. Viele Gerichte und Lebensmittel sind mehr oder weniger stark mit Jahres-, Tageszeiten oder sogar Gefühlen verbunden. Wir erlernen das von klein auf von unserem Umfeld: durch unsere Eltern, die Gesellschaft aber auch durch die Medien. Wenn wir uns dem nicht aktiv bewusst sind, begrenzt das unsere Möglichkeiten neue harmonische Geschmackskompositionen kennenzulernen.

Die Macht der Gewohnheit: Frühstückskonventionen

Besonders begrenzt sind wir, wenn es ums Frühstück geht. Mittags und abends kann man fast alles futtern aber beim Frühstück gibt es in der Regel einen begrenzten Pool von Lebensmitteln, die auf den Tisch kommen können. Und das ist von Kultur zu Kultur unterschiedlich. Ich esse z.B. ein belegtes Brötchen, ein weiches Ei, ein Müsli mit Früchten oder einfach nichts. Es erscheint mir unvorstellbar schon am Morgen eine Menge Kalorien zu mir zu nehmen. Wenn doch, dann suche ich mir Mitesser, nenne es „Brunch“ und dehne es bis zum Mittag aus.

Wenn man uns Deutschen morgens um acht Reis mit Fisch oder eine fettige Bratwurst mit gebackenen Bohnen auftischen würde, würden wir wahrscheinlich sagen: „So früh kann ich das nicht essen, das schlägt mir auf den Magen.“ Dabei gibt es auf der Welt eine unglaublich interessante Frühstücksvielfalt zu entdecken. Die Japaner essen ihren Fisch mit Reisvariationen, die Engländer lieben eben ihre Baked Beans mit Sausages. In Ägypten isst man sogar frittierte knödelartige Saubohnenbällchen zum Frühstück 😛

Eine nette kleine Auflistung über verschiedene Frühstücksgewohnheiten findest du hier.

Das Gefühl, dass man ein deftiges, andersartiges Frühstück nicht verträgt, entsteht meistens durch die anerzogenen, kulturellen Gewohnheiten. Natürlich darf man die Macht der Gewohnheit auf reale körperliche Prozesse nicht unterschätzen. Drum sollte man häufiger offen für Neues sein und den Körper an Verschiedenes gewöhnen. Dann kommt man auch im Ausland beim Frühstücken besser klar.

Semmelknödel nicht nur im Winter

Auch der Semmelknödel unterliegt strengen Gewohnheiten. Seit dem Frühling haben wir immer öfter bemerkt, dass sich die meisten Deutschen Semmelknödel als Sommergericht schlecht vorstellen können: „Ne das ist mir zu schwer. Das gibt’s dann an Weihnachten bei Oma mit Rotkohl und Braten“. Aber wieso ist das so? Brot wird schließlich auch nicht nur im Winter sondern das ganze Jahr gegessen und steht somit auch immer zum Knödelmachen zur Verfügung. Hm ich google das mal…Die Geschichte des Knödels… Ein gewisser Max Lobil soll 1914 in einer Stunde 71 Knödel gegessen haben…haha lustig aber ne. Der Suchbegriff „Wieso gibt es Knödel nur im Winter“ führt zum Topartikel „Tipps zur Winterfütterung von Vögeln“. Ich rufe ungehalten vom Schreibtisch ins Nachbarzimmer: „Matze ich find einfach nicht raus, warum der Knödel ein Wintergericht ist!“

Es scheint so, als sei das in bestimmten Regionen einfach schon immer so gewesen und von Generation zu Generation so weitergegeben worden – zumindest in den meisten Teilen Deutschlands. Ausgenommen davon ist natürlich die Alpengegend, Südtirol und Österreich, wo man stolz das ganze Jahr süße und herzhafte Knödel in den ausgefallensten Variationen isst. Die Meisterköchin Ingrid Pernkopf vom Landgasthof Grünberg in Gmunden in Oberösterreich stellt in ihrem Kochbuch schlappe 250 Knödelgerichte vor. Unter anderem den Kraut- und den Kürbisknödel oder sogar den Glühweinknödel – voll abgefahren. Der Semmelknödel wird also von Kulturraum zu Kulturraum unterschiedlich verzehrt.

Das Spiel mit den Gefühlen beim Essen

Abgesehen vom Einfluss kulturell bedingter Gewohnheiten kann Essen und der Knödel aber auch mit einem bestimmten Erlebnis und den damit verbundenen Gefühlen assoziiert werden. Mein Papa hat immer am Wochenende Spaghetti mit Tomaten gekocht – einfach nur Tomatenscheiben in Butter angebraten. Keiner versteht, weshalb ich darauf so abfahre. Ich könnte das jeden zweiten Tag essen. Es macht mich einfach glücklich und erinnert mich ans sorglose Kindsein – eine gute Zeit.

Das Wissen, dass Lebensmittel emotional besetzt werden können, machen sich übrigens zahlreiche Unternehmen zu Nutze. McDonalds allen voran mit einem besonders gewieften Konzept: Wer erinnert sich nicht an die besonderen Kindergeburtstage bei McDonalds? Ein abenteuerlicher Spielplatz, der lustige Clown, bunte Ballons und die Krönung: Die Happymealüberraschung. Im Erwachsenenalter soll das Verzehren von fettigen McDonaldsburgern und labberigen Pommes dann an diese glücklichen Momente der Kindheit erinnern und ein gutes Gefühl erzeugen – da muss das Essen an sich noch nicht mal schmecken.

Aber welches Gefühl verbinden wir mit dem Knödel? Vielleicht ein Zusammengehörigkeitsgefühl, da es besonders viel als Festtagsessen serviert wird, wenn die Familie zusammenkommt? Oder eine Erinnerung an die Großeltern, die doch häufiger Zeit für Knödel haben, als jüngere Generationen? Oder ist es eine starke Assoziation mit der Weihnachtszeit wie sie das Gewürz Zimt unter anderem schafft?

Mal was Anderes: Gaspaccio mit Zimt, Garnelen und Knödelcroutons

Zimt hat eigentlich auch nichts mit Weihnachten zu tun. Er wird in Sri Lanka von der Rinde des Ceylonbaums gewonnen. Trotzdem kommt er hauptsächlich in winterlichen Süßspeisen vor. Beim Recherchieren bin ich auf eine außergewöhnliche Verwendung von Zimt gestoßen und zwar in einer Tomatensuppe mit Zimt und Garnelen. Weil es so heiß ist, habe ich eine kalte Gazpacho draus gemacht. Anstatt Croutons habe ich zusätzlich die Knödelstücke des „Klassiker Reloaded“ klein geschnitten und als Croutons angebraten. Der Speck und die Zwiebel gibt dem Ganzen eine extra Würze. Mein Fazit: Zimt passt super zu außerweihnachtlichen herzhaften Speisen und auch der Knödel kommt in dem Kontext gut. Einfach mal was Neues auszuprobieren, lohnt sich auf jeden Fall.

Weg mit dem Schubladendenken

Meine Theorie ist, dass wir durch unsere erlernten Gewohnheits- und Gefühlsstrukturen unsere Phantasie beim Kochen ungemein beschränken. Dabei geht uns Einiges an Geschmackserlebnissen verloren. Theoretisch kannst Du jede Zutat für alles verwenden und damit neue aufregende Kompositionen kreieren. Mir ist dazu ein Zitat von Henry Ford eingefallen: „Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt schnellere Pferde.“ Er will damit sagen, dass eingeschränktes Schubladendenken Innovationen zurückhält. Und genauso ist das beim Essen. Wenn wir die Lebensmittel aus ihrem gewohnten Kontext holen und Neuartiges ausprobieren, können ungeahnte geschmackliche Harmonien entstehen.

Denk mit uns um und befreie den Semmelknödel!

Und so ist das auch beim Semmelknödel! Der Knödel lässt sich super im Sommer zubereiten. Grill ihn zu Deinen Würstchen, bette ihn auf eine Aubergine und bedecke ihn wahlweise mit gegrilltem Feta. Oder umwickele ihn mit Pfirsich und Speck. Mit der ausgestanzten Mitte kannst Du dann sogar einen Grillspieß zum Beispiel nach Hawaiiart machen. Du siehst, der Knödel kann unglaublich vielseitig sein.

Hilf dem Knödel sich geschmacklich innovativ zu entfalten und Dein Begleiter durch alle Jahreszeiten zu sein. Lass Dich von unseren weiteren sommerlichen Rezepten auf dem Blog inspirieren und werde selbst kreativ!